Ausbeutung
 
1. Ausbeutung ist erzwungene Arbeitsleistung für andere
Ausbeutung ist entweder „unmittelbare Zwangsarbeit“ oder „vermittelte Zwangsarbeit“. K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 232.
1.1. Für die Produzenten bedeutet Ausbeutung, dass sie die „Macht eines fremden Willens, der ihr Tun seinem Zweck unterwirft,“ ertragen müssen. (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 351.) Ausbeutung heißt, dass die produktiven Arbeiter „fremdes Eigentum schaffen und dieses Eigentum über fremde Arbeit kommandiert“. K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 148.
 
„Wenn der Produzent sich zu seiner Arbeit als einer unfreien verhält, so verhält er sich zu ihr als der Tätigkeit im Dienst, unter der Herrschaft, dem Zwang und dem Joch eines anderen Menschen.“ K. Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW 40, 519.
 
1.2. Für die Produzenten bedeutet Ausbeutung weiter, dass ihnen ihr Arbeitsprodukt nicht gehört: „Das Produkt oder der Wert des Produkts der Arbeit gehört nicht dem Arbeiter.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 43. Alle Ausbeutungsverhältnisse sind gekennzeichnet durch den „Ausschluss des Arbeiters vom Produkt“. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 555. Ausgebeutete Produzenten haben „nicht mitzusprechen bei der Teilung des gesellschaftlichen Reichtums in Genussmittel der Nichtarbeiter und in Produktionsmittel“. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 638. „Wenn das Produkt der Arbeit nicht dem Arbeiter gehört, ... so ist dies nur dadurch möglich, dass es einem anderen Menschen außer dem Arbeiter gehört. Wenn seine Tätigkeit ihm Qual ist, so muss sie einem anderen Genuss ... Lebensfreude ... sein.“ K. Marx, Ökonomisch-philo-sophische Manuskripte, MEW 40, 519.
 
1.3. Da das von ihnen geschaffene Produkt nicht den wirklichen Produzenten gehört, müssen sie Höhe und Umfang ihres Lebensunterhalts von ihren Ausbeutern erstreiten. Der Arbeitslohn ist „nur eine besondere historische Erscheinungsform des Fonds von Lebensmitteln oder des Arbeitsfonds, den der Arbeiter zu seiner Selbsterhaltung und Reproduktion bedarf und den er in allen Systemen der gesellschaftlichen Produktion stets selbst produzieren und reproduzieren muss“. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 593.
„Das Mehrprodukt (sollte eigentlich heißen der Mehrwert), das übrig bleibt, nachdem die Arbeiterklasse ihren Anteil von ihrer eigenen jährlichen Produktion erhalten hat, bildet die Substanz, von der die Kapitalistenklasse lebt.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert II, MEW 26.2, 419.
 
2. Historische Bedingungen von Ausbeutung (Mehrarbeit)
„Das Kapital hat die Mehrarbeit nicht erfunden. Überall, wo ein Teil der Gesellschaft das Monopol der Produktionsmittel besitzt, muss der Arbeiter, frei oder unfrei, der zu seiner Selbsterhaltung notwendigen Arbeitszeit überschüssige Arbeitszeit zusetzen, um die Lebensmittel für den Eigner der Produktionsmittel zu produzieren ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 249.
 
„Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem unmittelbaren Produzenten, dem Arbeiter, abgepresst wird, unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen, z. B. die Gesellschaft der Sklaverei von der der Lohnarbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 231.
 
„Wäre die Produktivität der Arbeit erst zu dem Grad entwickelt, dass die Arbeitszeit eines Mannes nur hinreichte, um ihn selbst am Leben zu erhalten, um seine eigenen Lebensmittel zu produzieren und reproduzieren, so gäbe es keine Mehrarbeit und keinen Mehrwert. ... Die Möglichkeit der Mehrarbeit und des Mehrwerts daher geht von einer gegebenen Produktivkraft der Arbeit aus, einer Produktivkraft, die das Arbeitsvermögen befähigt, mehr als seinen eigenen Wert wiederzuerzeugen, über die durch seinen Lebensprozess gebotene Bedürftigkeit hinaus zu produzieren.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 19.
 
„Braucht der Arbeiter alle seine Zeit, um die zur Erhaltung seiner selbst und seiner Rasse nötigen Lebensmittel zu produzieren, so bleibt ihm keine Zeit, um unentgeltlich für dritte Personen zu arbeiten. Ohne einen gewissen Produktivitätsgrad der Arbeit existiert keine solche frei verfügbare Zeit für den Arbeiter, ohne solche überschüssige Zeit keine Mehrarbeit und daher keine Kapitalisten, aber auch keine Sklavenhalter, keine Feudalbarone, in einem Wort keine Großbesitzerklasse.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 534.
 
„Nur sobald die Menschen sich aus ihren ersten Tierzuständen herausgearbeitet, ihre Arbeit selbst also schon in gewissem Grad vergesellschaftet ist, treten Verhältnisse ein, worin die Mehrarbeit des einen zur Existenzbedingung des anderen wird. In den Kulturanfängen sind die erworbenen Produktivkräfte der Arbeit gering, aber so sind die Bedürfnisse, die sich mit und an den Mitteln ihrer Befriedigung entwickeln. Ferner ist in jenen Anfängen die Proportion der Gesellschaftsteile, die von fremder Arbeit leben, verschwindend klein gegen die Masse der unmittelbaren Produzenten. Mit dem Fortschritt der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit wächst diese Proportion absolut und relativ.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 534f.
Ein Sklave produzierte scheinbar den ganzen Tag nur für seinen Sklavenbesitzer. Scheinbar bestand der Arbeitstag des Sklaven nur aus Mehrarbeit. Tatsächlich muss der Sklavenherr einen Teil des vom Sklaven hergestellten Produktenwerts an ihn in Form von Lebensmitteln, Behausung etc. zurückgeben.
 
 
2.1. Feudale Ausbeutung (Mehrarbeit) abhängiger Bauern
Bei der feudalen Fronarbeit sind die notwendige Arbeitszeit des Fronbauern auf eigenem Acker und die Mehrarbeitszeit auf den Feldern des Gutsherrn sichtbar getrennt.
„Die notwendige Arbeit, die z. B. der walachische Bauer zu seiner Selbsterhaltung verrichtet, ist räumlich getrennt von seiner Mehrarbeit für den Grundherrn. Die eine verrichtet er auf seinem eigenen Felde, die andere auf dem herrschaftlichen Gut. Beide Teile der Arbeitszeit existieren daher selbständig nebeneinander. In der Form der Fronarbeit ist die Mehrarbeit genau abgeschieden von der notwendigen Arbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 251.
 
 
2.2. Kapitalistische Ausbeutung (Mehrarbeit)
2.2.1. Lohnarbeit ist zivilisierte Ausbeutung
Lohnarbeit ist zivilisierte Ausbeutung, weil sie von persönlichen Abhängigkeiten frei ist. Lohnarbeiter können einem einzelnen Kapitalisten kündigen, sind aber abhängig von der Kapita-listenklasse insgesamt.
„Im Kapital ist die Zusammenarbeit der Arbeiter nicht erzwungen durch direkte physische Gewalt, durch Zwangs-, Fron-, Sklavenarbeit; sie ist erzwungen dadurch, dass die Bedingungen der Produktion fremdes Eigentum sind...“ K. Marx, Grundrisse der politischen Ökonomie, 484.
Ausbeutung ist ein „Zwang, den die kapitalistische Produktionsweise mit früherer Produktionsweise teilt, aber in einer der Produktion günstigeren Weise ausübt, vollbringt.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 366.
Die „Herrschaft des Kapitals über die Arbeit“ ist „einerseits ... historischer Fortschritt und notwendiges Entwicklungsmoment im ökonomischen Bildungsprozess der Gesellschaft ..., andererseits ist Lohnarbeit ... ein Mittel zivilisierter und raffinierter Ausbeutung.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 386.
 
 
2.2.2. Lohnarbeit ist raffinierte Ausbeutung (Mehrarbeit)
„Auf der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der Lohn des Arbeiters als Preis der Arbeit, ein bestimmtes Quantum Geld, das für eine bestimmte Menge Arbeit gezahlt wird.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 557.
 
„Die Form des Arbeitslohns löscht also jede Spur der Teilung des Arbeitstags in notwendige Arbeit und Mehrarbeit, in bezahlte und unbezahlte Arbeit aus. Alle Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit. Bei der Fronarbeit unterscheiden sich räumlich und zeitlich, handgreiflich sinnlich, die Arbeit des Fronbauern für sich selbst und seine Zwangsarbeit für den Grundherrn. Bei der Sklavenarbeit erscheint selbst der Teil des Arbeitstags, worin der Sklave nur den Wert seiner eigenen Lebensmittel ersetzt, den er in der Tat also für sich selbst arbeitet, als Arbeit für seinen Meister. Alle seine Arbeit erscheint als unbezahlte Arbeit. Bei der Lohnarbeit erscheint umgekehrt selbst die Mehrarbeit oder unbezahlte Arbeit als bezahlt. Dort verbirgt das Eigentums-verhältnis das Fürsichselbstarbeiten des Sklaven, hier das Geldverhältnis das Umsonstarbeiten des Lohnarbeiters. ... Auf dieser Erscheinungs-form, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und gerade sein Gegenteil zeigt, beruhen alle Rechtsvorstellungen des Arbeiters wie des Kapitalisten, alle Selbsttäuschungen der kapitalistischen Produktionsweise, alle ihre Freiheitsillusionen, alle beschönigenden Flausen der Vulgärökonomie.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 562.
 
„Gesetzt der Arbeitstag zähle 4 Stunden notwendiger Arbeit und 4 Stunden Mehrarbeit. So liefert der Lohnarbeiter dem Kapitalisten wöchentlich 5 x 4 oder 20 Stunden Mehrarbeit. Es ist dasselbe, als arbeite er 2,5 Tage in der Woche für sich und 2,5 Tage in der Woche umsonst für den Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar. Mehrarbeit und notwendige Arbeit verschwimmen ineinander. Ich kann daher dasselbe Verhältnis z. B. auch so ausdrücken, dass der Arbeiter in jeder Minute 30 Sekunden für sich und 30 Sekunden für den Kapitalisten arbeitet usw. ... Zweieinhalb Tage Mehrarbeit in der Woche bleiben zweieinhalb Tage Arbeit, die keinen Gegenwert für den Arbeiter selbst bildet, ob sie Fronarbeit heiße oder Lohnarbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 251.
 
„Der Kapitalist zahlt den Wert, bzw. den davon abweichenden Preis der Arbeitskraft (= Lohn) und erhält im Austausch die Verfügung über die lebendige Arbeitskraft selbst. Seine Nutznießung dieser Arbeitskraft zerfällt in zwei Perioden. Während der einen Periode produziert der Arbeiter nur einen Wert gleich dem Wert seiner Arbeitskraft. ... Für den vorgeschossnen Preis der Arbeitskraft (= Lohn) erhält so der Kapitalist ein Produkt vom selben Preis. ... In der Periode der Mehrarbeit ... bildet die Nutznießung der Arbeitskraft Wert für den Kapitalisten, ohne ihm einen Wertersatz zu kosten. Er hat diese Flüssigmachung der Arbeitskraft umsonst. In diesem Sinn kann die Mehrarbeit unbezahlte Arbeit heißen. Das Kapital ist also nicht nur Kommando über Arbeit, wie A. Smith sagt. Es ist wesentlich Kommando über unbezahlte Arbeit. Aller Mehrwert in welcher besonderen Gestalt von Profit, Zins, Rente usw. er sich später kristallisiere, ist seiner Substanz nach Verkörperung unbezahlter Arbeitszeit. Das Geheimnis von der Selbstverwertung des Kapitals löst sich auf in seine Verfügung über eine bestimmte Menge unbezahlter fremder Arbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 556.
 
„Die Differenz zwischen dem Wert des Arbeitsvermögens und seiner Verwertung – also der Mehrwert, den der Kauf des Arbeitsvermögens seinem Anwender verschafft – erscheint am handgreiflichsten, unwidersprechlichsten von allen Produktionszweigen in der Agrikultur ... Die Summe der Lebensmittel, die der Arbeiter jahraus, jahrein verzehrt, oder die Masse Stoff, die er konsumiert, ist geringer als die Summe der Lebensmittel, die er produziert. In der Fabrik sieht man überhaupt den Arbeiter nicht direkt weder seine Lebensmittel noch den Überschuss über seine Lebensmittel produzieren. Der Prozess ist vermittelt durch Kauf und Verkauf ... und verlangt zu seinem Verständnis Analyse des Werts überhaupt. ... Der Arbeiter in der Fabrik vermehrt den Stoff nicht; er verändert nur die Form desselben.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 14–17.
 
„Die zweite Periode des Arbeitsprozesses, die der Arbeiter über die Grenzen der notwendigen Arbeit hinaus rackert, kostet ihm zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Wert für ihn. Sie bildet Mehrwert, der den Kapitalisten mit allem Reiz einer Schöpfung aus Nichts anlacht. Diesen Teil des Arbeitstags nenne ich Surplus-arbeitszeit (Mehrarbeitszeit) und die in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 231.
 
„So entscheidend es für die Erkenntnis des Werts überhaupt ist, ihn als bloße Gerinnung von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit zu begreifen, so entscheidend ist es für die Erkenntnis des Mehrwerts, ihn als bloße Gerinnung von Mehrarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 231.
 
 
„Was der Kapitalist kauft, ist die temporäre Verfügung über das Arbeitsvermögen ... Die Ware, die als Produkt aus diesem Prozess herauskommt, gehört ihm ganz. Er hat sie produziert mit ihm gehörigen Produktionsmitteln und von ihm gekaufter, wenn auch nicht bezahlter, also ihm gehöriger Arbeit. ... Der Gewinn, den der Kapitalist macht, der Mehrwert, den er realisiert, stammt eben daher, ... dass er nicht Ware von dem Arbeiter, sondern sein Arbeitsvermögen selbst kauft und dies geringeren Wert hat als das Produkt dieses Arbeitsvermögens ...“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 291.
 
„Der Arbeiter arbeitet über die für die Reproduktion seines Arbeits-vermögens notwendige Arbeitszeit hinaus; der Wert, den er schafft, ist daher größer als der Wert seines Arbeitsvermögens; oder die Arbeit, die er wiedergibt, ist größer als die Menge Arbeit, das er in der Form des Lohns erhält.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 21.
„Einerseits verwandelt der Produktionsprozess fortwährend den stofflichen Reichtum in Kapital, in Verwertungs- und Genussmittel für den Kapitalisten. Andererseits kommt der Arbeiter beständig aus dem Prozess heraus, wie er in ihn eintrat – persönliche Quelle des Reichtums, aber entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für sich zu verwirklichen. ... Der Arbeiter selbst produziert daher beständig den objektiven Reichtum als Kapital, ihm fremde, ihn beherrschende und ausbeutende Macht, und der Kapitalist produziert ebenso beständig die Arbeitskraft als subjektive, von ihren eigenen Vergegenständlichungs- und Verwirklichungsmitteln getrennte, abstrakte, in der bloßen Leiblichkeit des Arbeiters existierende Reichtumsquelle, kurz den Arbeiter als Lohnarbeiter. Diese beständige Reproduktion oder Verewigung des Arbeiters ist die unerlässliche Voraussetzung der kapitalistischen Produktion.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 595f.
 
„Wir sahen ferner: Das Kapital – und der Kapitalist ist nur das personifizierte Kapital und fungiert im Produktionsprozess nur als Träger des Kapitals –, also das Kapital pumpt in dem ihm entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsprozess eine bestimmte Menge Mehrarbeit aus den unmittelbaren Produzenten oder Arbeitern heraus, Mehrarbeit, die das Kapital ohne Äquivalent (Gegenwert) erhält und die ihrem Wesen nach immer Zwangsarbeit bleibt, wie sehr sie auch als das Resultat freier vertraglicher Übereinkunft erscheinen mag.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 827.
 
 
2.2.3. Die jeweilige Lohnhöhe sagt nichts über den Ausbeutungsgrad
Für die Tatsache der Ausbeutung spielt es vorderhand keine Rolle, ob der eine Lohnarbeiter hohen und der andere niedrigen Lohn bekommt, „da die Differenz zwischen dem Wert der Arbeitskraft und der Verwertung der Arbeitskraft durchaus nicht davon abhängt, ob man den Wert der Arbeitskraft groß oder klein annimmt.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 13.
„... Unterschiede ... in der Höhe des Arbeitslohnes beruhen großenteils auf dem ... Unterschied zwischen einfacher und komplizierter Arbeit und berühren, obgleich sie das Los der Arbeiter ... sehr verungleichen, keineswegs den Ausbeutungsgrad der Arbeit ...“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 151.
Lohnunterschiede zwischen höher qualifizierter und niedriger qualifizierter Arbeit bedingen nicht notwendig Unterschiede in der Ausbeutung, weil die Mehrarbeit des höher qualifizierten Lohnarbeiters in gleicher Mehrarbeitszeit größeren Mehrwert liefern kann als die Mehrarbeit des niedrig Qualifizierten (vgl. dazu K. Marx, Kapital III, MEW 25, 151, und Kapital I, MEW 23, 59).
„Der Wert des Arbeitslohns ist zu schätzen nicht nach der Quantität Lebensmittel, die der Arbeiter erhält, sondern nach der Quantität Arbeit, die diese Lebensmittel kosten (in der Tat der Proportion des Arbeitstages, die er sich selbst aneignet), nach dem proportionalen Anteil, den der Arbeiter vom Gesamtprodukt oder vielmehr vom Gesamtwert dieses Produkts erhält. Es ist möglich, dass in Gebrauchswerten geschätzt (Menge von Ware oder Geld) sein Arbeitslohn steigt (bei steigender Produktivität) und doch dem Wert nach fällt und umgekehrt. ... Die Stellung der Klassen zueinander ist bedingt mehr durch das relative Gewicht der Löhne als durch die absolute Höhe der Löhne.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert II, MEW 26.2, 420f.
Siehe den Artikel: Ausbeutungsrate
 
 
2.2.4. Lohnarbeit bereitet die Befreiung von Ausbeutung vor
„Es ist eine der zivilisatorischen Seiten des Kapitals, dass es diese Mehrarbeit in einer Weise und unter Bedingungen erzwingt, die der Entwicklung der Produktivkräfte, der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Schöpfung der Elemente für eine höhere Neubildung vorteilhafter sind als unter den früheren Formen der Sklaverei, Leibeigenschaft usw. Es führt so einerseits eine Stufe herbei, wo der Zwang und die Monopolisierung der gesellschaftlichen Entwicklung (einschließlich ihrer materiellen und intellektuellen Vorteile) durch einen Teil der Gesellschaft auf Kosten des anderen wegfällt; andererseits schafft sie die materiellen Mittel und den Keim zu Verhältnissen, die in einer höheren Form der Gesellschaft erlauben, diese Mehrarbeit zu verbinden mit einer größeren Beschränkung der der materiellen Arbeit überhaupt gewidmeten Zeit.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 827.
 
„Der wirkliche Reichtum der Gesellschaft und die Möglichkeit beständiger Erweiterung ihres Reproduktionsprozesses hängt ... nicht ab von der Länge der Mehrarbeit, sondern von ihrer Produktivität und von den mehr oder minder reichhaltigen Produktionsbedingungen, worin sie sich vollzieht. Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 828.
„Fügen wir bei dieser Gelegenheit hinzu, dass alle bisherigen geschichtlichen Gegensätze von ausbeutenden und ausgebeuteten, herrschenden und unterdrückten Klassen ihre Erklärung finden in derselben verhältnismäßig unentwickelten Produktivität der menschlichen Arbeit. Solange die wirklich arbeitende Bevölkerung von ihrer notwendigen Arbeit so sehr in Anspruch genommen wird, dass ihr keine Zeit zur Besorgung der gemeinsamen Geschäfte der Gesellschaft – Arbeitsleitung, Staatsgeschäfte, Rechtsangelegenheiten, Kunst, Wissenschaft etc. – übrig bleibt, solange musste stets eine besondere Klasse bestehen, die, von der wirklichen Arbeit befreit, diese Angelegenheiten besorgte; wobei sie denn nie verfehlte, den arbeitenden Massen zu ihrem eigenen Vorteil mehr und mehr Arbeitslast aufzubürden.“ F. Engels, Anti-Dühring, MEW 20, 169.
 
„War doch der letzte Grund, womit der Klassenunterschied verteidigt wurde, stets: Es muss eine Klasse geben, die sich nicht mit der Produktion ihres täglichen Lebensunterhaltes abzuplacken hat, damit sie die Zeit behält, die geistige Arbeit der Gesellschaft zu besorgen.“ F. Engels, Wohnungsfrage, MEW 18, 221.
 
 
3. Ausbeutung wird beseitigt, wenn jede unfreie Arbeit beseitigt wird und alle zu selbstbestimmten Arbeitern (Produzenten) werden
„Aber wenn hiernach die Einteilung in Klassen eine gewisse geschichtliche Berechtigung hat, so hat sie eine solche doch nur für einen gegebenen Zeitraum, für gegebene gesellschaftliche Bedingungen. Sie gründete sich auf die Unzulänglichkeit der Produktion; sie wird weggefegt werden durch die volle Entfaltung der modernen Produktivkräfte. Und in der Tat hat die Abschaffung der gesellschaftlichen Klassen zur Voraussetzung einen geschichtlichen Entwicklungsgrad, auf dem das Bestehen nicht bloß dieser oder jener bestimmten herrschenden Klasse, sondern einer herrschenden Klasse
überhaupt, also des Klassenunterschiedes selbst, ein Anachronismus geworden, veraltet ist. Sie hat also zur Voraussetzung einen Höhegrad der Entwicklung der Produktion, auf dem die Aneignung der Produktionsmittel und Produkte und damit der politischen Herrschaft, des Monopols der Bildung und der geistigen Leitung durch eine besondere Gesellschaftsklasse nicht nur überflüssig, sondern auch ökonomisch, politisch und intellektuell ein Hindernis der Entwicklung geworden ist. Dieser Punkt ist jetzt erreicht.“
F. Engels, Entwicklung des Sozialismus, MEW 19, 225.
 
„Einmal die Arbeit emanzipiert, so wird jeder Mensch ein Arbeiter, und produktive Arbeit hört auf, eine Klasseneigenschaft zu sein.“ K. Marx, Bürgerkrieg in Frankreich, MEW 17, 342.
„... Individuen, die assoziiert sind auf der Grundlage der gemeinsamen Aneignung und Kontrolle der Produktionsmittel. (Letztere Assoziation ist nichts Willkürliches: sie setzt die Entwicklung materieller und geistiger Bedingungen voraus ...)“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 77.
„Die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsform erlaubt, den Arbeitstag auf die notwendige Arbeit zu beschränken. Jedoch würde letztere, unter sonst gleich bleibenden Umständen, ihren Raum ausdehnen. Einerseits weil die Lebensbedingungen des Arbeiters reicher und seine Lebensansprüche größer. Andererseits würde ein Teil der jetzigen Mehrarbeit zur notwendigen Arbeit zählen, nämlich die zur Erzielung eines gesellschaftlichen Reserve- und Akkumulationsfonds nötige Arbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 552.
 
„Stellen wir uns ... einen Verein freier Menschen vor, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewusst als eine gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben. ... Das Gesamtprodukt des Vereins ist ein gesellschaftliches Produkt. Ein Teil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Es bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer Teil wird als Lebensmittel von den Vereinsmitgliedern verzehrt. ... Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und ihren Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig einfach in der Produktion sowohl als in der Distribution.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 92f
 

„Intensität und Produktivkraft der Arbeit gegeben, ist der zur materiellen Produktion notwendige Teil des gesellschaftlichen Arbeitstags umso kürzer, der für freie, geistige und gesellschaftlicher Betätigung der Individuen eroberte Zeitteil also umso größer, je gleichmäßiger die Arbeit unter alle werkfähigen Glieder der Gesellschaft verteilt ist, je weniger eine Gesellschaftsschicht die Naturnotwendigkeit der Arbeit von sich selbst ab- und einer anderen Schicht zuwälzen kann. Die absolute Grenze für die Verkürzung des Arbeitstags ist nach dieser Seite hin die Allgemeinheit der Arbeit. In der kapitalistischen Gesellschaft wird freie Zeit für eine Klasse produziert durch Verwandlung aller Lebenszeit der Massen in Arbeitszeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 552.

Zur Zitierweise:

Wo es dem Verständnis dient, wurden veraltete Fremdwörter, alte Maß-einheiten und teilweise auch Zahlenbeispiele zum Beispiel in Arbeits-zeitberechnungen modernisiert und der Euro als Währungseinheit ver-wendet. Dass es Karl Marx in Beispiel-rechnungen weder auf absolute Größen noch auf Währungs-einheiten ankam, darauf hatte er selbst einmal hingewiesen: Die Zahlen mögen Millionen Mark, Franken oder Pfund Sterling bedeuten.“ Kapital II, MEW 24, 396.

Alle modernisierten Begriffe und Zahlen sowie erklärende Textteile, die nicht wörtlich von Karl Marx stammen, stehen in kursiver Schrift. Auslassungen im laufenden Text sind durch drei Auslassungspunkte kenntlich gemacht. Hervorhebungen von Karl Marx sind normal fett gedruckt. Die Rechtschreibung folgt der Dudenausgabe 2000. Quellenangaben verweisen auf die Marx-Engels-Werke, (MEW), Berlin 1956ff.

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